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Foto Moshe Wolff

  Die für die Auswanderung benötigte Alijah-Kiste steht heute noch bei Moshe Wolff im Schuppen (2010).  

Foto Karla und Moshe Wolff

  Karla und Moshe Wolff 2010 in Nahariya.  

Buch von Karla Wolff

  Titelbild der Lebenserinnerungen von Karla Wolff, Neuveröffentlichung 2012.  

Herr Wolff heute Moshe Wolff

geboren 1921 als Franz Wolff in Hamburg

Moshe Wolff hat drei Brüder und eine Schwester. Die Familie väterlicherseits war seit 300 Jahren in Hamburg ansässig und lebte orthodox. Die Mutter stammte aus Frankfurt aus einer sehr orthodoxen, antizionistischen Familie. Der Vater war Finanzmakler, hatte ein Büro mit einem jüdischen Kompagnon am Neuen Wall und handelte an der Hamburger Börse.

Mitte der 20er Jahre besuchte er Palästina. Seine Auswanderungsüberlegungen scheiterten am Widerstand der Ehefrau. Später engagierte der Vater sich in der zionistischen Bewegung, leitete den Misrachi. Um 1924/25 zog die Familie in den Abendrothsweg. Moshe Wolff besuchte die Talmud Tora-Schule, war aber kein guter Schüler. Seine Interessen lagen außerhalb der Schule, v. a. in den Jugendbünden „Ezra“ und „Brith Hanoar“, aber auch im Kanufahren.

Mitte der 30er Jahre ging er zur Vorbereitung der Auswanderung nach Palästina auf das Hachschara-Lager Wilhelminenhöhe. Danach besuchte er eine Tischler-Werkstatt und fertigte seine Alijah-Kiste an, die er heute noch besitzt. Die ältere Schwester war schon 1937 nach Holland auf Hachschara gegangen.

Der Vater hatte 1938 Affidavits für die gesamte Familie besorgt und bereitete die Ausreise in die USA vor. Moshe Wolff wollte mit seiner Alijah-Gruppe nach Palästina gehen. Da aber die Einreisegenehmigungen noch nicht vorlagen, ging er auf Wunsch seines Vaters zunächst mit der Familie nach Holland, dann nach England und reiste schließlich über Italien nach Palästina ein. Dort kam er am 8. November 1938 an und baute mit seiner Gruppe das deutsche Jugenddorf auf. Zwei Jahre später arbeitete er in Nordisrael mit einer Gruppe in der Landwirtschaft und ging anschließend zur britischen Armee.

Als Soldat gelangte er über Malta wieder nach Deutschland. 1946 ging er für mehr als ein Jahr in die USA, um seine Familie wiederzutreffen. Vorschläge, dort zu bleiben, wie auch Angebote, eine Wiedergutmachung für die Schäden von Verfolgung und Krieg zu erhalten, lehnte er ab. Er wollte nach Israel.

Seine Frau Karla hat die nationalsozialistische Verfolgung im Versteck in ihrer Geburtsstadt Breslau überlebt. 1990 veröffentlichte sie ihre Erinnerungen an diese Zeit.

Moshe Wolff lebt heute als Landwirt im Ruhestand mit seiner Frau am Rande von Nahariya. Dort hat das über vierstündige Interview stattgefunden. In der Werkstatt der Erinnerung liegt ein zweistündiges Audiointerview aus dem Jahr 1996 vor, das in Hamburg geführt wurde. Darüber hinaus werden in der Werkstatt der Erinnerung Audiointerviews mit seinen Brüdern Rudi und Jacob archiviert.

Werkstatt der Erinnerung
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Videoauszüge


 Moshe Wolff erzählt

pfeil Weihnachten bei nichtjüdischen Freunden (1:47)
pfeil sein Vater empfahl ihm, eine Jemenitin zu heiraten (2:40)
pfeil „Jeckes“ (Audio) (2:37)