deko

 

 

 

Gerd Reiss. heute Gerd Reiss

geboren 1918 in Hamburg

Gerd Reiss‘ Mutter stammte aus Dortmund, der Vater aus Polen. Er hat einen vier Jahre älteren Bruder Werner. Die Familie lebte in der Moltkestraße, der heutigen Bernadottestraße, in Altona. Der Vater arbeitete als Vertreter, die Mutter war Hausfrau. Gerd Reiss erhielt Religionsunterricht von Rabbiner Dr. Joseph Carlebach.

Als nach der Machtergreifung Hitlers ein Bruder seiner Mutter nach Holland emigrierte, blieb die Familie in Hamburg und übernahm auch aus finanziellen Gründen dessen Wohnung im Woldsenweg in Eppendorf.

Gerd Reiss war später als Leiter im Hachscharalager Wilhelminenhöhe tätig und u.a. dafür zuständig, den Teilnehmern die Einreise nach Palästina zu bewilligen. Zudem leitete er das Beit Chaluz (Jugendwohnheim) in der Klosterallee. Er erhielt allerdings keine Ausreisegenehmigung durch das Palästina-Amt in Berlin.

Schließlich fand er eine Anstellung als Schlosser in der Grindelallee. Dort blieb er ein Jahr, lebte im Beit Chaluz und arbeitete anschließend bei einem Innungsmeister in Lübeck.

Im Oktober 1938 wurde er mit den Eltern und dem Bruder nach Polen deportiert, zusammen mit Hunderten von Juden mit polnischer Staatsangehörigkeit. Die Familie blieb drei Monate dort. Während sein Bruder ein Zertifikat für die Ausreise nach Palästina erhielt, gelangte Gerd Reiss durch die illegale Alijah mit Hilfe von Ernst Frank nach Warschau. Die Eltern blieben in Zbaszyn zurück.

Nach einigen Tagen in Warschau fuhr die Alijah-Gruppe nach Neapel. Von dort ging es mit dem Schiff weiter nach Haifa. Gerd Reiss hat erinnert noch gut die schreckliche Überfahrt in einem Schiff, dass er für nicht seetüchtig hielt.

Bei der Ankunft in Haifa wurde er herzlich empfangen. Mit seiner Gruppe wurde er im Kibbuz Rodges untergebracht. Dort arbeitete er in der Schlosserei. Er entschied sich nach einigen Jahren schließlich gegen ein Leben im Kibbuz und schloss sich dem englischen Militär an.

Bei dem etwa einstündigen Interview im Mai 2010 war seine Frau ebenfalls anwesend.

Für seine Familien verfasste Gerd Reiss 1995 seine Lebenserinnerungen in englischer Sprache, die in der Werkstatt der Erinnerung archiviert werden.

Werkstatt der Erinnerung
logo fzh
Videoauszüge


 Gerd Reiss erzählt

pfeil Deportation nach Zbaszyn 1938 (4:03)
pfeil Ankunft in Palästina (1:35)