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Elly Freund heute Elly Freund

geboren 1909 als Elly Rzeszewski in Breslau

Da ihr Vater kurz nach ihrer Geburt starb, wuchs Elly Freund mit ihrer Mutter bei ihren streng orthodoxen Großeltern auf. In Breslau besuchte sie das Gymnasium, anschließend studierte sie in Heidelberg, Breslau und Berlin Medizin.

In Heidelberg begegneten ihr zum ersten Mal nationalsozialistisch organisierte Studierende. Den politischen Umbruch des Jahres 1933 erlebte sie in aller Härte. Kommilitonen von ihr wurden verhaftet, sie selbst unterbrach ihr Studium.

Ihr Lebensgefährte, den sie später heiratete, beendete derzeit sein Philosophie-Studium und folgte seinem Professor nach Paris, Elly Freund begleitete ihn. Beide lebten einige Monate dort, bis sie wieder nach Breslau zurückkehrten, wo sie die zionistische Bewegung Habonim und Hechaluz aktiv unterstützten.

1934 nahm Elly Freund ihr Studium wieder auf. Ihr zukünftiger Mann ging zu dieser Zeit für ein Jahr nach Palästina, kehrte aber zurück, um weiter als Madrich, als Leiter der zionistischen Auswandererbewegung tätig zu sein.

1935 zogen beide nach Berlin, um die Jugend-Alijah, die Auswanderung jüdischer Kinder und Jugendlicher, vorzubereiten und durchzuführen. 1936 beschloss Elly Freund, sich trotz allem an der Friedrich-Wilhelm-Universität auf ihr Examen vorzubereiten. Sie arbeitete dafür am Jüdischen Krankenhaus und legte 1937 ihre medizinische Staatsprüfung ab. Dies bezeichnet sie noch heute als Wunder, das nur in Berlin habe stattfinden können.

Im unmittelbaren Anschluss zog sie auf das Hachscharah-Lager Ellguth, bis sie es, um einer drohenden Verhaftung zu entgehen, von einem Tag auf den anderen mit ihrem Mann verlies und beide auf Umwegen nach Palästina einreisten. Auch dort war sie in der Jugend-Alijah aktiv und arbeitete später als Kinderärztin.

Das über vierstündige Interview fand im April und Mai 2010 in ihrer Wohnung im Seniorenheim in Bat Yam statt. Elly Freund ist im Juni 2012 verstorben, wenige Tage nach ihrem 103. Geburtstag.

Elly Freund ist eine Protagonistin in dem Film „Die Jeckes“ von Carsten Hueck und Jens Meurer (1998)  und „Es war ein anderes Leben“ von Katinka Zeuner und Hans Jan Puchmann (2008). Erinnerungen an ihre Arbeit für die Jugend-Alija und Briefe von ihr sind veröffentlicht bei Shlomo Erel s. A. (Hg.), Jeckes erzählen. Aus dem Leben deutschsprachiger Einwanderer in Israel, Wien 2004.



Werkstatt der Erinnerung
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Videoauszüge


 Elly Freund erzählt

pfeil Leben als Studentin und erste Kontakte mit Nazis (1:55)
pfeil Ankunft in Israel (2:39)
pfeil Interesse von Sohn und Enkeln am Nationalsozialismus (Audio) (1:27)