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Werkstatt der Erinnerung
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Aktuelles
Neues Interview in der Werkstatt der Erinnerung
25.08.09
Neuer Bestand in der Werkstatt der Erinnerung
10.08.09


Die Sammlungsschwerpunkte der Werkstatt der Erinnerung

1. Verfolgung im Nationalsozialismus
2. Nichtverfolgte in der NS-Zeit
3. Nachkriegszeit
4. Frauen in Kriegs- und Nachkriegszeit
5. Migration
6. Sechziger und Siebziger Jahre

1. Verfolgung im Nationalsozialismus

Juden
Der Bestand „Juden in Hamburg“ ist der umfangreichste in der Werkstatt der Erinnerung. Der größte Teil der Interviews kam im Rahmen des Besucherprogramms des Hamburger Senats für ehemalige jüdische Hamburger zustande. Die befragten Zeitzeugen wurden in den Jahren 1903 bis 1937 geboren, sind meist in Hamburg aufgewachsen oder haben längere Zeit in der Stadt gelebt.

Die Interviews geben Aufschluss über verschiedene Facetten jüdischen Lebens in Hamburg im Dritten Reich, in der Nachkriegszeit und in einigen Fällen auch für die Zeit der Weimarer Republik. Der Schwerpunkt liegt überwiegend auf den Ausgrenzungs- und Verfolgungserfahrungen im Nationalsozialismus, der Flucht aus Hamburg und dem Leben im Exil. In einigen Interviews werden die Deportationen aus Hamburg und Erfahrungen in verschiedenen Konzentrationslagern geschildert. Dieser Bestand wird kontinuierlich erweitert.

Literatur:
Sybille Baumbach: Die Verfolgung Hamburger Juden aus lebensgeschichtlicher Perspektive, in: Dies., Uwe Kaminsky, Alfons Kenkmann, Beate Meyer: Rückblenden. Lebensgeschichtliche Interviews mit Verfolgten des NS-Regimes in Hamburg (Forum Zeitgeschichte, Bd. 7), Hamburg 1999, S. 13-129.

„Halbjuden“
Seit dem Erlass der Nürnberger Gesetze 1935 wurde zwischen „Volljuden“ und „Mischlingen“ unterschieden. Als „Halbjuden“ oder „Mischlinge ersten Grades“ galten Menschen mit zwei Großelternteilen, die der jüdischen Religion angehörten; als „Vierteljuden“ oder „Mischlinge zweiten Grades“ galten Menschen mit einem jüdischen Großelternteil.

Die meisten der Interviews wurden im Rahmen der Dissertation von Beate Meyer geführt. In den Interviews werden die Familiengeschichte, die veränderte Situation nach 1933 und das unterschiedliche Ausmaß der Verfolgung thematisiert. Angesprochen wird u.a. Ausgrenzung in Schule und Beruf, Verhaftung und Deportation von Familienangehörigen und Zwangsarbeit. Außerdem geht es um das Selbstverständnis der Befragten und die Verarbeitung der Verfolgungserfahrungen.

Literatur:
Beate Meyer: „Jüdische Mischlinge“. Rassenpolitik und Verfolgungserfahrung 1933-1945 (Studien zur jüdischen Geschichte, Bd. 6), Hamburg 1999.
Dies.: Grenzgänger zwischen „Normalität“ und Verfolgung – Die Situation „jüdischer Mischlinge“ in der NS-Zeit, in: Rückblenden. Lebensgeschichtliche Interviews mit Verfolgten des NS-Regimes in Hamburg (Forum Zeitgeschichte, Bd. 7), Hamburg 1999, S. 130-205.
Dies.: „Besser ist doch, man taucht unter“. Zur Verfolgung der „Halbjuden“ in Hamburg, in: Frank Bajohr u. Joachim Szodrzynski (Hg.): Hamburg in der NS-Zeit (Forum Zeitgeschichte, Bd. 5), Hamburg 1995, S. 125-150.

Sinti und Roma
Das Ziel der Hamburger „Zigeunerpolitik“ ab 1938 war die Errichtung eines zentralen „Zigeunerlagers“. Während dieses Vorhaben sich noch in der Planungsphase befand, stellte das Reichssicherheitshauptamt am 17. Oktober 1939 den Abtransport aller Sinti und Roma in den Osten in Aussicht. Im April 1939 gab Reichsführer Heinrich Himmler den Befehl zur Deportation ins Generalgouvernement. In drei Transporten 1940, 1943 und 1944 wurden ca. 1264 Sinti und Roma aus Hamburg in verschiedene Konzentrationslager verschleppt. Die Anzahl derer, die die Deportationen überlebt haben, konnte bis heute nicht ermittelt werden.

Die vier Interviews mit Überlebenden dieser Transporte im Bestand der Werkstatt wurden von Karin Guth, im Rahmen einer von ihr initiierten Ausstellung über die Verfolgung von Sinti und Roma in Hamburg, geführt. Die Interviewten sind zwischen 1921 und 1935 in und um Hamburg geboren und aufgewachsen. Sie wurden, bis auf eine Ausnahme, am 16. Mai 1940 zusammen mit ihren Familien verhaftet und in einen Fruchtschuppen im Hafen gebracht.

Ausgehend vom Hannoverschen Bahnhof führte ihre Deportation nach Belzec in Polen und schließlich nach Krychow. Die Interviewpartner thematisieren ihre Erlebnisse in Lagern und Gefängnissen, beziehungsweise auf der Flucht. Eine Zeitzeugin beschreibt, wie sie als Achtjährige mit dem dritten und letzen Transport nach Auschwitz und von dort nach Ravensbrück deportiert wurde. Auch wenn die Zeit ihrer Verfolgung im Mittelpunkt der Interviews steht, erzählen alle Befragten einen Großteil ihrer gesamten Lebensgeschichte.

Literatur:
Wünsche, Viviane / Lohalm, Uwe / Zimmermann, Michael: Die nationalsozialistische Verfolgung Hamburger Roma und Sinti. Vier Beiträge. Hamburg 2002.

Sozialdemokraten in der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus
Die interviewten Zeitzeugen gehörten dem sozialistischen oder proletarischen Arbeitermilieu an. Befragt wurden politisch aktive Mitglieder der Arbeiterbewegung, die nach 1933 illegale Tätigkeiten im Rahmen der SPD ausgeübt haben, aber auch Menschen, die sich milieugebunden dem NS-Regime als oppositionell verstanden oder die aufgrund der Verfolgung eines Familienmitgliedes oder eines Ehepartners ebenfalls verfolgt wurden.

Während letztere keinen direkten Kontakt zur Gestapo hatten, berichten die direkt Verfolgten von Vorladungen, Hausdurchsuchungen, Verhaftungen und Haftstrafen in Gefängnissen oder Konzentrationslagern. Thematisiert werden in den Interviews soziale und familiäre Herkunft, politische Bindung sowie Gründe und Formen der politischen Verfolgung. Ein wichtiger Bereich ist auch der Umgang mit der Verfolgungserfahrung in der Nachkriegszeit.

Zusätzlich existieren 21 Interviews mit Frauen aus dem sozialdemokratischen Milieu, die im Rahmen des Projekts von Karen Hagemann zum Thema Frauenalltag in der Weimarer Republik geführt wurden.

Literatur:
Uwe Kaminsky: Verfolgung im Arbeitermilieu Hamburgs aus erfahrungsgeschichtlicher Sicht – Sozialdemokraten und Kommunisten zwischen Widerstand und Anpassung, in: Rückblenden. Lebensgeschichtliche Interviews mit Verfolgten des NS-Regimes in Hamburg (Forum Zeitgeschichte, Bd. 7), Hamburg 1999, S. 206-317.
Karen Hagemann: Frauenalltag und Männerpolitik. Alltagsleben und gesellschaftliches Handeln von Arbeiterfrauen in der Weimarer Republik, Bonn 1990.

Kommunisten
Die Interviewten wurden zwischen 1905 und 1931 geboren und stammen mehrheitlich aus dem sozialistischen oder proletarischen Arbeitermilieu. Befragt wurden nicht nur Menschen, die während des Nationalsozialismus in der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) aktiv waren, sondern auch Personen, die als Familienangehörige oder durch Milieuzugehörigkeit indirekt von der Verfolgung betroffen waren.

In den Interviews werden u.a. der familiäre Hintergrund, die Mitgliedschaft in politischen Jugendorganisationen, in einigen Fällen der Wechsel von der SPD zur KPD, das Ende der politischen Tätigkeit nach 1933 oder Verfolgung und illegale Aktivitäten im Nationalsozialismus und Emigrationserfahrungen thematisiert. Angesprochen werden auch die Kriegsteilnahme, das Erleben des Kriegsendes, die Wiederaufnahme des politischen Engagements sowie Bemühungen um Entschädigung in der Nachkriegszeit.

Der Bestand umfasst auch einige lebensgeschichtliche Interviews, die in den Jahren 1987 bis 1989 im Rahmen eines ABM-Projektes von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, Bund der Antifaschisten, Hamburg (VVN-BdA) geführt wurden. Die Interviews aus diesem Bestand sind nach vorheriger Zustimmung der VVN-BdA einsehbar.

Literatur:
Uwe Kaminsky: Verfolgung im Arbeitermilieu Hamburgs aus erfahrungsgeschichtlicher Sicht – Sozialdemokraten und Kommunisten zwischen Widerstand und Anpassung, in: Rückblenden. Lebensgeschichtliche Interviews mit Verfolgten des NS-Regimes in Hamburg (Forum Zeitgeschichte, Bd. 7), Hamburg 1999, S. 206-317.
Peter Birke: Die kommunistische Parteiopposition (KPO) und andere dissidente Kommunisten in Hamburg in den Jahren 1928-1936, Magisterarbeit, Universität Hamburg 2001.

Mitglieder des „Musencabinett“
Seit ca. 1940 trafen sich in Hamburg regelmäßig Angehörige bürgerlicher Schichten zu informellen Diskussions- und Lesekreisen. Das „Musencabinett“, deren Mitglieder meist aus Familien des gehobenen Hamburger Bildungsbürgertums stammten, traf sich ab 1940 in privatem Rahmen, um über literarische und künstlerische Themen und Werke zu diskutieren.
Einige der Mitglieder zählten auch zur Hamburger „Weißen Rose“, die im Gegensatz zur Münchener „Weißen Rose“ ein sehr heterogener Kreis war und aus mehreren kleinen Gruppen bestand. Die Befragten sind zwischen 1915 und 1926 geboren. In den Interviews werden das Aufwachsen im bürgerlichen Milieu, Schulzeit und Studium und die Versuche, sich der HJ- und BDM-Mitgliedschaft zu entziehen und stattdessen private Nischen zu finden thematisiert. Außerdem geht es um informelle Zusammenkünfte, Diskussionsthemen und die Verfolgung durch den NS-Staat.

Literatur:
Alfons Kenkmann: Zwischen Tolerierung und Verfolgung – Informelle Zirkel im Hamburger Bürgertum während der NS-Zeit, in: Rückblenden. Lebensgeschichtliche Interviews mit Verfolgten des NS-Regimes in Hamburg (Forum Zeitgeschichte, Bd. 7), Hamburg 1999, S. 358-404.

Swing-Jugend
Die Swing-Jugend entstand als Jugendsubkultur vor allem in Großstädten Ende der 1930er Jahre. Ihr nonkonformes Verhalten in Bezug auf Kleidungsstil und das Hören von Swing-Musik stand im Widerspruch zu dem offiziell propagierten Jugendideal. Deshalb wurden die Swing-Jugendlichen zunächst diffamiert und ab 1940 systematisch verfolgt.

Die Zeitzeugen wurden zwischen 1919 und 1928 geboren und stammen überwiegend aus einem klein- oder großbürgerlichen Milieu. In vielen Interviews werden Familie und Herkunft, das Aufwachsen in verschiedenen Hamburger Stadtteilen, die Schulzeit und das Verhältnis zur HJ bzw. zum BDM angesprochen. Außerdem berichten die Zeitzeugen in den Interviews über die ersten Kontakte zur Swingszene, Musik, Kleidungsstile sowie Veranstaltungen und Treffpunkte der Swing-Jugend in Hamburg. Ein zentrales Thema, das in den Interviews angesprochen wird, ist die Verfolgung durch die NS-Behörden.

Literatur:
Susanne Heitker: Die Hamburger Swing-Jugend - eine Jugendsubkultur im Spiegel lebensgeschichtlicher Interviews, Magisterarbeit, Universität Hamburg 1999.
Dies.: Die Verfolgung der „Swing-Jugend“ in Hamburg, in: Alenka Barber-Kersovan u. Gordon Uhlmann (Hg.): Getanzte Freiheit: Swing-Kultur zwischen NS-Diktatur und Gegenwart. Hamburg 2002, S. 79-91.

„Asoziale“
Die von den Nationalsozialisten als „Asoziale“ bezeichneten Männer und Frauen wurden aufgrund ihres abweichenden Sozialverhaltens oder ihrer angeblichen biologischen „Minderwertigkeit“ aus der „Volksgemeinschaft“ ausgeschlossen. Die Verfolgten dieser Gruppen stammten meist aus der sozialen Unterschicht, wuchsen oft nur bei einem Elternteil oder in Heimen auf und hatten eine unzureichende Schulbildung. Häufig wurden diese als „Vergessene Opfer“ bezeichneten Menschen auch in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg stigmatisiert und erhielten keine Entschädigung.

Die befragten Zeitzeugen sind zwischen 1918 und 1931 geboren, waren also in der Zeit des Nationalsozialismus sehr jung. Befragt wurden sechs Frauen und ein Mann, die u.a. wegen Arbeitsverweigerung und verbotener Kontakte mit Kriegsgefangenen oder mit ausländischen Zivilarbeitern verfolgt wurden.

Literatur:
Uwe Kaminsky: „Vergessene Opfer“ – Zwangssterilisierte, „Asoziale“, Deserteure, Fremdarbeiter, in: Rückblenden. Lebensgeschichtliche Interviews mit Verfolgten des NS-Regimes in Hamburg (Forum Zeitgeschichte, Bd. 7), Hamburg 1999, S. 318-357.

Zwangssterilisierte
Es liegen Interviews mit Personen vor, die unter Berufung auf das im Juli 1933 erlassene „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ zwangssterilisiert wurden. Es handelt sich überwiegend um Betroffene, die in Heimen oder Anstalten leben mussten. Die Zeitzeugen, fünf Frauen und ein Mann, wurden zwischen 1907 und 1930 geboren. Einige Interviews wurden von Mitgliedern der Projektgruppe für die vergessenen Opfer des NS-Regimes e.V. geführt.

Literatur:
Uwe Kaminsky: „Vergessene Opfer“ – Zwangssterilisierte, „Asoziale“, Deserteure, Fremdarbeiter, in: Rückblenden. Lebensgeschichtliche Interviews mit Verfolgten des NS-Regimes in Hamburg (Forum Zeitgeschichte, Bd. 7), Hamburg 1999, S. 318-357.
Projektgruppe für die vergessenen Opfer des NS-Regimes in Hamburg (Hg.): Verachtet, verfolgt, vernichtet. Zu den „vergessenen“ Opfern des NS-Regimes, Hamburg 1986.

Homosexuelle
Drei lebensgeschichtliche Interviews mit homosexuellen Männern unterschiedlicher sozialer Herkunft der Jahrgänge zwischen 1906 und 1913 sowie eine themenbezogene Befragung über die KZ-Haft eines Zeitzeugen (geb. 1912) befinden sich in der Werkstatt der Erinnerung. Die repressiven Lebensverhältnisse der Zeitzeugen waren rechtlich durch die Gesetzgebung über die NS-Zeit hinaus legitimiert. Der Paragraph 175, der bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts homosexuelle Handlungen zwischen Männern unter Strafe gestellt hatte, bestand in seiner 1935 verschärften Form bis 1969 in der Bundesrepublik fort. Die Interviews thematisieren erste homosexuelle Erlebnisse, damalige Hamburger Treffpunkte, künstlerisches Leben seit den 1920er Jahren und die repressiven Lebensverhältnisse während der NS-Zeit.

Angehörige von „Euthanasie“-Opfern
Der Bestand umfasst drei lebensgeschichtliche Interviews mit Angehörigen von Euthanasie-Opfern. Eine Zeitzeugin berichtet über ihre Schwester, die zunächst in die Alsterdorfer Anstalten gebracht worden war. Sie wurde anschließend nach Wien in die städtische Nervenklinik für Kinder ‚Am Spiegelgrund’ deportiert und im Rahmen des NS-Euthanasieprogramms ermordet. Die Zeitzeugin berichtet über ihre Recherchen zum Tod der Schwester und über die erfolgreichen Bemühungen, die sterblichen Überreste anderer Euthanasie-Opfer, die Jahrzehnte später immer noch in Wien lagerten, bestatten zu lassen. In den beiden anderen Interviews berichten zwei Geschwister über den Tod ihres Vaters, der 1941 in der Anstalt Sonnenstein bei Pirna ermordet wurde.

Wehrmachtsdeserteure
Der Werkstatt der Erinnerung liegen zwei lebensgeschichtliche Interviews mit Männern der Jahrgänge 1921 und 1922 vor, die im Zweiten Weltkrieg aus der Wehrmacht desertiert sind. Neben der Desertion und der anschließenden Haft thematisieren die Interviews den Kampf um die Anerkennung der Verfolgung und um Entschädigung. Über diese Bemühungen liegen der Werkstatt der Erinnerung mehrere Zeitungsartikel sowie diverse Dokumente vor.

Literatur:
Uwe Kaminsky: „Vergessene Opfer“ – Zwangssterilisierte, „Asoziale“, Deserteure, Fremdarbeiter, in: Rückblenden. Lebensgeschichtliche Interviews mit Verfolgten des NS-Regimes in Hamburg (Forum Zeitgeschichte, Bd. 7), Hamburg 1999, S. 318-357.

2. Nichtverfolgte in der NS-Zeit

NS-Sozialisation
Der Bestand zum Thema „NS-Sozialisation“ umfasst lebensgeschichtliche Interviews und biographische Materialien von acht Männern und zwei Frauen, die zwischen 1899 und 1929 geboren wurden. Die Zeitzeugen berichten vor allem über ihre Mitgliedschaft in HJ und BDM und die Teilnahme an der Kinderlandverschickung. Es existieren einige inhaltliche Überschneidungen mit den Beständen Frauenalltag und „Volkssturm“.

„Volkssturm“
Ab Oktober 1944 wurden Männer zwischen 16 und 60 Jahren zum Volkssturm herangezogen, um bei unmittelbarer Gefährdung ihres Wohnortes die Wehrmacht zu unterstützen. In Hamburg wurden die Volkssturmeinheiten vor allem im Süden der Stadt eingesetzt. Die 16 zu diesem Thema vorliegenden themenbezogenen Interviews entstanden 1986/87 im Rahmen der Magisterarbeit von Kerstin Siebenborn. Die Zeitzeugen entstammen den Geburtsjahrgängen 1902 bis 1929. Sie haben am Volkssturm teilgenommen, aber keine leitenden Funktionen ausgeübt.

Literatur:
Kerstin Siebenborn: Der Volkssturm im Süden Hamburgs 1944/45, Hamburg 1988 (Beiträge zur Geschichte Hamburgs, hrsg. v. Verein für Hamburgische Geschichte, Bd. 35).

3. Nachkriegszeit

Displaced Persons/ehemalige Zwangsarbeiter

Die Interviews zum Thema Displaced Persons entstanden im Rahmen eines Projekts von Patrick Wagner. Ziel war es, die Formen der Integration von Frauen und Männern, die im Zweiten Weltkrieg aus Osteuropa nach Deutschland verschleppt worden waren oder in der Nachkriegszeit geflohen waren, zu untersuchen. Die meisten der Interviews wurden mit Displaced Persons, die aus Polen stammten, geführt. Die befragten Zeitzeugen sind zwischen 1908 und 1926 geboren und stammen zu einem großen Teil aus ländlichem Milieu.

Literatur:
Patrick Wagner: Displaced Persons in Hamburg. Stationen einer halbherzigen Integration 1945 bis 1958, Hamburg 1997.

Flüchtlinge und Vertriebene
Die von Oliver von Wrochem zur Verfügung gestellten Interviews dokumentieren die Erinnerungen von Flüchtlingen an ihre Aufnahme in Hamburg nach dem Zweiten Weltkrieg und die Einschätzung der eigenen wirtschaftlichen, sozialen und psychischen Integration. Besonderes Interesse galt den Arbeits- und Wohnverhältnissen, dem Verhältnis zur „alten Heimat“, den Beziehungen zu Einheimischen und die Familiensituation. Dabei stand die Frage im Vordergrund, ob die Integration der Vertriebenen erfolgreich verlaufen ist.
Befragt wurden 13 Frauen und 8 Männer, die zwischen 1914 und 1937 geboren wurden.

Literatur:
Oliver von Wrochem: Im Zwiespalt der Bindungen: Erfahrungsebenen der Integration, in: Evelyn Glensk, Rita Bake u. Oliver von Wrochem: Die Flüchtlinge kommen. Ankunft und Aufnahme in Hamburg nach Kriegsende, Hamburg 1998, S. 128-152.

Nachkriegszeit: Mangelerfahrung, Lebenshaltung und Wohlstandshoffnung
In der Werkstatt der Erinnerung existieren zwölf Interviews zum Thema Mangelerfahrung, Lebenshaltung und Wohlstandshoffnung in der Nachkriegszeit, die von Michael Wildt im Rahmen seiner Dissertation zum Konsumverhalten im Westdeutschland der 1950er Jahre geführt wurden. In einem Fall wurde zusätzlich zu der themenbezogenen Befragung auch ein lebensgeschichtliches Interview geführt.

Die Zeitzeugen - 10 Frauen und zwei Männer - wurden zwischen 1913 und 1929 geboren und kommen mehrheitlich aus Hamburger Arbeiterfamilien. In den Interviews angesprochen werden vor allem die Ernährungssituation in der Nachkriegszeit, die Auswirkungen der Währungsreform, Einkauf und Zubereitung von Nahrungsmitteln sowie die Anschaffung neuer Haushaltsgegenstände.

Literatur:
Michael Wildt: Am Beginn der „Konsumgesellschaft“. Mangelerfahrung, Lebenshaltung, Wohlstandshoffnung in Westdeutschland in den fünfziger Jahren, (Forum Zeitgeschichte Bd. 3), Hamburg 1995.

„Bremen-Boys“
Vier themenbezogene Befragungen mit ehemaligen Mitgliedern des Bremen Boys Club hat Doris Foitzik in ihrem Projekt über Jugendkultur und Jugendpolitik 1945 bis 1949 mit Männern der Jahrgänge um 1930 durchgeführt. Die Interviews thematisieren die Bewunderung dieser Jugendgruppe für den US-amerikanischen Lebensstil und dessen Musik sowie das Alltagsleben Jugendlicher während der unmittelbaren Nachkriegszeit in Bremen.

Literatur:
Doris Foitzik: Jugend ohne Schwung? Jugendkultur und Jugendpolitik in Hamburg 1945 – 1949, (Forum Zeitgeschichte, Bd. 12) Hamburg 2002.

Jugend 1945-1950
Im Mittelpunkt der Interviews, die Doris Foitzik mit 19 Zeitzeugen der Jahrgänge 1927 bis 1935 geführt hat, steht die Frage nach einer eigenen Jugendkultur nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Nachkriegszeit wird von den fünf Frauen und 14 Männern vor allem mit Mangelwirtschaft und Schwarzmarkt assoziiert, jedoch nicht mit der Herausbildung eines eigenen jugendlichen Lebensstils.

So stehen die materiellen Entbehrungen im Vordergrund der Erinnerungen. In den Interviews werden aber auch bisher wenig untersuchte Aspekte wie Konsum- und Freizeitverhalten, Musik, Tanz, Mode und Literatur thematisiert. Es handelt sich um themenorientierte Interviews, in den meisten Interviews wird aber auch auf die Schulzeit und die Mitgliedschaft in BDM und Hitlerjugend während der Zeit des Nationalsozialismus eingegangen.

Literatur:
Doris Foitzik: Jugend ohne Schwung? Jugendkultur und Jugendpolitik in Hamburg 1945-1949 (Forum Zeitgeschichte, Bd. 12), Hamburg 2002.

Jugend in Eimsbüttel
Die Geschichtswerkstatt Eimsbüttel/Galerie Morgenland hat der Werkstatt der Erinnerung 31 Interviews zum Thema Jugend in Eimsbüttel zur Verfügung gestellt, die im Rahmen eines Projekts von Volker Böge entstanden sind. Ziel war die Erforschung der Lebenswelten von Jugendlichen im Stadtteil Eimsbüttel in den 1950er Jahren. In den Interviews geht es u.a. um Freizeitgestaltung, Schule, Lehre, Wohnsituation und das Selbstverständnis der Jugendlichen.

Literatur:
Volker Böge: Außer Rand und Band. Eimsbütteler Jugendliche in den 50er Jahren, Hamburg 1997.
Ders.: Eimsbüttler Jugend historisch. Eine Projektsequenz der Galerie Morgenland, in: 25 Jahre Galerie Morgenland Geschichtswerkstatt Eimsbüttel. Festschrift. Hamburg 2003, S. 183-193.

SPD und KPD in Schleswig-Holstein 1945/46
Die neun themenbezogenen Interviews wurden von Detlef Siegfried im Rahmen seines Projekts zu Einheitsbestrebungen von Sozialdemokraten und Kommunisten in Schleswig-Holstein in den Jahren 1945/46 geführt.

Die Interviewpartner, acht Männer und eine Frau, sind zwischen 1902 und 1912 geboren und waren zum Teil langjährige Parteifunktionäre. Die Zeitzeugen berichten u.a. über den Wiederaufbau der Bezirksorganisationen und über die Rahmenbedingungen der Reorganisation ab 1945. Zudem werden die Diskussionen zur Gründung einer ‚Einheitspartei’, die Arbeit des sogenannten Aktionsausschusses, des gemeinsamen Arbeitsausschusses von Kommunisten und Sozialdemokraten sowie die Zusammenarbeit mit den Alliierten thematisiert.

Literatur:
Detlef Siegfried: Zwischen Einheitspartei und „Bruderkampf“. SPD und KPD in Schleswig-Holstein 1945/46, Kiel 1992.

FDJ im Bezirk Unterelbe 1945/46
Acht themenbezogene Einzel- und zwei Gruppeninterviews führte Maren Siegfried zum Thema FDJ im Bezirk Unterelbe in den ersten Nachkriegsjahren durch. Es wurden elf Männer und fünf Frauen der Jahrgänge 1914 bis 1927 befragt. Die Zeitzeugen berichten über ihre Motivation, der FDJ beizutreten, über politische Aktivitäten sowie über die Zusammenarbeit mit anderen Jugendgruppen und mit der britischen Militärregierung.

Literatur:
Maren Siegfried: Die „Freie Deutsche Jugend“ im Bezirk Unterelbe (Hamburg und Schleswig-Holstein) während der ersten Nachkriegsjahre, Magisterarbeit, Universität Kiel 1986.

Entwicklungshilfe
Im Rahmen eines Projekts zur Entstehung der deutschen Entwicklungspolitik führte Uwe Kaminsky fünf Interviews. Die befragten Zeitzeugen haben im Rahmen ihrer Aktivitäten in politischen Parteien, der evangelischen Kirche oder wissenschaftlichen Institutionen die deutsche Entwicklungspolitik von Beginn an mitgestaltet.

4. Frauen in Kriegs- und Nachkriegszeit

Frauenalltag
Explizit zum Thema Frauenalltag sind in der Werkstatt der Erinnerung 22 Interviews vorhanden, davon 18 lebensgeschichtliche Interviews und vier themenbezogene Befragungen. Es gibt inhaltliche Überschneidungen zu den Beständen aus den Bereichen der politischen Verfolgung, NS-Sozialisation sowie Nachkriegszeit: Mangelerfahrung, Lebenshaltung und Wohlstandshoffnung.

Die befragten Frauen wurden zwischen 1897 und 1939 geboren und entstammen unterschiedlichen Milieus. Ungefähr die Hälfte der Frauen erlebte die NS-Zeit, Krieg und Nachkriegszeit als Erwachsene, während die andere Hälfte in den 1920er Jahren geboren wurde und die entsprechende Zeit als Jugendliche wahrnahm.

Die große Heterogenität des Bestandes spiegelt sich in den angesprochenen Themen wieder: NS-Zeit, Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg und die Situation in der Nachkriegszeit werden in den Interviews behandelt – aber aus sehr unterschiedlichen Perspektiven. Drei der Interviews wurden ganz auf Video aufgezeichnet. Sieben der befragten Frauen treten in dem Film „Trümmerjahre – Frauen in Hamburg 1943-1953“ (Regie: Beate Meyer, D 1993) auf.

Literatur:
Ingeborg Grolle: Frauen nach dem Krieg 1945-1950, Hamburg 1994.
Dies. und Rita Bake: "Ich habe Jonglieren mit drei Bällen geübt". Frauen in der Hamburgischen Bürgerschaft. 1946 bis 1993, Landeszentrale für politische Bildung, Hamburg 1995.
Beate Meyer: Anpassung, Selbstbehauptung und Verdrängung. Zum Berufsalltag zweier Mitläuferinnen im Nationalsozialismus, in: Kirsten Heinsohn; Barbara Vogel u. Ulrike Wecker (Hg.): Zwischen Karriere und Verfolgung. Handlungsräume von Frauen im nationalsozialistischen Deutschland, Frankfurt/Main 1997, S. 166-188.

Berufs- und Lebensplanung von Frauen
Die von Claudia Lenz und Alexandra Lübcke geführten lebensgeschichtlichen Interviews zum Thema Berufs- und Lebensplanung von Frauen entstanden 1998/99 im Rahmen eines Kooperationsprojektes mit dem Hamburger Museum für Arbeit. Ziel des Projekts war es, die Bedeutung von Erwerbsarbeit für Frauen aus verschiedenen Generationen und sozialen Schichten zu untersuchen.

Die Interviewpartnerinnen entstammen den Geburtsjahrgängen 1914 bis 1972. In zwei Fällen wurden Mutter und Tochter einer Familie befragt. Die Zeitzeuginnen kommen aus unterschiedlichen sozialen Schichten und haben in verschiedenen Berufsfeldern gearbeitet. Bei der Hälfte der Befragten kam es im Verlauf ihres Lebens zu einschneidenden beruflichen Veränderungen. In den Interviews werden u.a. die soziale Herkunft, das Elternhaus, der Bildungsweg, Vorbilder in Kindheit und Jugend sowie Berufswünsche angesprochen.
Außerdem berichten die Zeitzeuginnen über Berufsalltag, Rollenverteilung in der Familie und ihre Zukunftspläne.

Literatur:
Claudia Lenz; Waltraud Waidelich (Hg.): Hauptsache Arbeit? Was wird...: Maßstäbe, Modelle, Visionen, Hamburg 2001.

5. Migration

Italiener in Hamburg
In der Werkstatt der Erinnerung befinden sich acht Interviews mit Italienern in Hamburg, die Elia Morandi zwischen 2000 und 2002 für sein Dissertationsprojekt über Italiener in Hamburg vom Kaiserreich bis heute geführt hat. Befragt wurden sechs Männer und zwei Frauen, die zwischen 1905 und 1943 geboren wurden. Einige leben also schon in vierter Generation in Hamburg, pflegen aber eine italienische Identität, indem sie die Sprache sprechen und Kontakte nach Italien halten. Thematisiert werden Herkunft, berufliche Tätigkeiten und Mitgliedschaften in italienischen Vereinen.

Literatur:
Elia Morandi: Italiener in Hamburg seit dem Kaiserreich. Zur Geschichte einer ethnischen Gruppe in einer deutschen Großstadt, in: Angelika Eder (Hg.), unter Mitarbeit von Kristina Vagt: „Wir sind auch da!“ Über das Leben von und mit Migranten in europäischen Großstädten (Forum Zeitgeschichte, Bd. 14), Hamburg 2003, S. 115-135.
Ders.: Italiener in Hamburg. Migration, Arbeit und Alltagsleben vom Kaiserreich bis zur Gegenwart. Frankfurt/Main 2004.

Polen in Hamburg
In der Werkstatt der Erinnerung existieren acht Interviews mit Menschen polnischer Herkunft, die in Hamburg leben. Die meisten der Interviews entstanden im Rahmen des Projekts von Angelika Eder, das sich mit polnischem Leben in Hamburg befasste. Der Bestand umfasst Interviews mit Aussiedlern, Flüchtlingen, verschleppten Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen.

Literatur:
Angelika Eder: Polnisches Leben in Hamburg im 20. Jahrhundert: Kulturelle „Heimat“, Identitätsressource oder Fiktion? In: Angelika Eder (Hg.) unter Mitarbeit von Kristina Vagt: „Wir sind auch da!“ Über das Leben von und mit Migranten in europäischen Großstädten (Forum Zeitgeschichte, Bd. 14), Hamburg 2003, S. 95-113.

Norweger in Hamburg
Drei Interviews wurden von Claudia Lenz in Norwegen geführt. Thematische Schwerpunkte sind die unmittelbare Nachkriegszeit sowie die Studentenbewegung in Hamburg.

Russlanddeutsche in Hamburg
Zur Vorbereitung einer Publikation der Körber-Stiftung führte Dorothee Wierling (FZH) Interviews mit in Hamburg lebenden Russlanddeutschen verschiedener Generationen.

Literatur:
Dorothee Wierling (Hg.): Heimat finden. Lebenswege von Deutschen, die aus Russland kommen, Hamburg 2004.

6. Sechziger und Siebziger Jahre


Sexuelle Konsumkultur in Deutschland
Die Interviews wurden von Elizabeth Heineman (University of Iowa) für ihr gleichnamiges Projekt geführt. Der Bestand ist bis zum Abschluss des Projekts für die Nutzung gesperrt.

Hafenarbeiter
Der Bestand umfasst sechs themenbezogene Interviews mit Hafenarbeitern, die von Ruth Asseyer im Rahmen ihrer journalistischen Tätigkeit zum Thema „Vom Stückgutumschlag zum Containerumschlag“ geführt wurden.

Sturmflut 1962 in Hamburg
Im Rahmen ihres Promotionsprojektes zur lebensgeschichtlichen Bedeutung und kulturellen Deutung von Naturkatastrophen werden von Frauke Paech (FZH) Interviews mit ZeitzeugInnen jener Ereignisse geführt. Der Bestand wird laufend erweitert und ist bis zum Abschluss des Projektes für die Nutzung gesperrt.

Schülerbewegung
Das Projekt von Linde Apel (FZH) zielt auf eine Rekonstruktion der Schülerbewegung der 1960er und 1970er Jahre in Hamburg und fragt nach schulischen und anderen Anlässen der Politisierung für „antiautoritäre“ und „konservative“ Schüler. Die hierzu entstehenden Interviews sind bis zum Abschluss des Projekts für die Nutzung gesperrt.

Sammlung Detlef Michelers
Die Werkstatt der Erinnerung konnte große Teile des umfangreichen „Lebenswerkes“ des Bremer Autors Detlef Michelers übernehmen. Die Sammlung umfasst u.a. folgende Themen: Kaiserreich und Erster Weltkrieg, Räterepublik in Bremen, 1920er Jahre in Bremen, „Reichskristallnacht“ in Bremen, Bremen in der Nazizeit, 1950er Jahre in Bremen, Schülerbewegung.

Literatur:
Detlef Michelers: Draufhauen, draufhauen, nachsetzen. Die Bremer Schülerbewegung, die Straßenbahnproteste und ihre Folgen 1967/70, Bremen 2002.



Mehr Informationen zu den Veröffentlichungen der erhalten Sie über:

Werkstatt der Erinnerung
in der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg
Beim Schlump 83 D-20144 Hamburg
Fon: +49 40 - 43 13 97-20 Fax: +49 40 - 43 13 97-40
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