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Juden

Dieser Bestand ist der umfangreichste in der Werkstatt der Erinnerung. Er umfasst ca. 700 Interviews. Der größte Teil der Interviews kam im Rahmen des Besucherprogramms des Hamburger Senats für ehemalige jüdische Hamburger zustande. 150 Interviews (Video) wurden von der britischen Organisation "Association of Jewish Refugees" (AJR) im Projekt "Refugee Voices" geführt. Zum Bestand gehören auch 18 Videointerviews von Linde Apel mit in Deutschland geborenen Israelis ("Jeckes"), die zwischen 1933 und 1950 nach Palästina/Israel emigriert waren. Auszüge aus den Videointerviews und einem Audiointerview werden auf den folgenden Seiten präsentiert.

Die Interviews geben Aufschluss über verschiedene Facetten jüdischen Lebens in Hamburg im Dritten Reich, in der Nachkriegszeit und in einigen Fällen auch für die Zeit der Weimarer Republik. Der Schwerpunkt liegt überwiegend auf den Ausgrenzungs- und Verfolgungserfahrungen im Nationalsozialismus, der Flucht aus Hamburg und dem Leben im Exil. In einigen Interviews werden die Deportationen aus Hamburg und Erfahrungen in verschiedenen Ghettos und Lagern geschildert. Zum Bestand gehören auch Interviews mit Kindern und Enkeln der Emigrierten.

42 Interviews thematisieren die sogenannte „Polenaktion“, die massenhafte Zwangsausweisung von Jüdinnen und Juden polnischer Staatsangehörigkeit aus dem Deutschen Reich im Oktober 1938. Rund 17.000 Menschen, davon etwa 1.000 aus Hamburg, wurden am 28. und 29. Oktober verhaftet und in Sammeltransporten nach Polen oder in das Gebiet zwischen den Grenzen gebracht. Ein Großteil der Deportierten sammelte sich in dem damaligen Grenzort Bentschen/Zbąszyń. Die Zwangsabschiebungen stellten einen ersten Höhepunkt der Diskriminierungsmaßnahmen des NS-Regimes gegenüber den Juden dar.

Ein weiterer Bestand befasst sich mit der als „Kindertransport“ bekannt gewordenen jüdischen Hilfsaktion in den Jahren 1938/39. Etwa 10.000 jüdischen Kindern und Jugendlichen aus Deutschland, Österreich und der Tschechoslowakei ermöglichte diese Aktion die rettende Emigration nach Großbritannien und in andere europäische Länder. In der Werkstatt der Erinnerung werden 99 Interviews mit Personen archiviert, die mit Zug und Schiff aus Deutschland und Österreich auf Kindertransporten nach Großbritannien, Dänemark, Schweden oder Holland gelangten. Ein Großteil der Interviews stammt aus dem Interviewprojekt „Refugee Voices“ der Association of Jewish Refugees (2003). Die restlichen zum Schwerpunkt versammelten Interviews entstanden vorwiegend im Rahmen der vom Hamburger Senat organisierten Besuchswochen für die Gruppe verfolgter ehemaliger Bürgerinnen und Bürger Hamburgs. Neben den Interviews mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern an Kindertransporten gibt es in der Werkstatt der Erinnerung weitere 30 Interviews mit Personen, die in ihrer Lebensgeschichte Kindertransporte zum Thema machen. Es handelt sich dabei vielfach um Angehörige von Kindertransportteilnehmern. Vereinzelt sind auch Interviews mit Organisatoren oder Begleiterinnen der Transporte vorhanden.

 

Literatur:

Linde Apel, Klaus David, Stefanie Schüler-Springorum (Hg.): Aus Hamburg in alle Welt. Lebensgeschichten jüdischer Verfolgter aus der Werkstatt der Erinnerung. München, Hamburg 2011.

Sybille Baumbach: Die Verfolgung Hamburger Juden aus lebensgeschichtlicher Perspektive, in: Dies., Uwe Kaminsky, Alfons Kenkmann, Beate Meyer: Rückblenden. Lebensgeschichtliche Interviews mit Verfolgten des NS-Regimes in Hamburg (Forum Zeitgeschichte, Bd. 7), Hamburg 1999, S. 13-129.

Christiane Berth: Die Kindertransporte nach Großbritannien 1938/39. Exilerfahrungen im Spiegel lebensgeschichtlicher Interviews, München und Hamburg 2005.

http://www.werkstatt-der-erinnerung.de/jeckes/jeckes

http://www.refugeevoices.co.uk/index.html

 


Mehr Informationen zu unseren Beständen erhalten Sie über:

Werkstatt der Erinnerung
in der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg
Beim Schlump 83 D-20144 Hamburg
Fon: +49 40 - 43 13 97-20 Fax: +49 40 - 43 13 97-40
E-Mail: apel[at]zeitgeschichte-hamburg.de